Mehr als Tell und Heidi. Deutsch-Schweizerische Filmbeziehungen

Mehr als Tell und Heidi. Deutsch-Schweizerische Filmbeziehungen

Veranstalter
CineGraph - Hamburgisches Centrum für Filmforschung e.V. und Bundesarchiv (cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes)
Ausrichter
cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes
Veranstaltungsort
Gästehaus der Universität, Rothenbaumchaussee 34
Gefördert durch
Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg
PLZ
20148
Ort
Hamburg
Land
Deutschland
Findet statt
Hybrid
Vom - Bis
20.11.2024 - 23.11.2024
Deadline
01.06.2024
Von
Erika Wottrich, CineGraph - Hamburgisches Centrum für Filmforschung e.V.

Mehr als Tell und Heidi. Deutsch-Schweizerische Filmbeziehungen

XXI. cinefest und der 37. Internationale Filmhistorische Kongress gehen den vielfältigen Verflechtungen zwischen der deutschen und schweizerischen Filmgeschichte und -produktion nach.

More than Tell and Heidi. German-Swiss Film Relations

XXI. cinefest and 37th International Film History Conference will explore the many facets between German and Swiss film production and history.

Mehr als Tell und Heidi. Deutsch-Schweizerische Filmbeziehungen

Zahlreiche, aus der Schullektüre bekannte Literaturklassiker lieferten über die Jahrzehnte in verschiedenen Ländern immer wieder die Vorlage für Adaptationen, z.B. Gottfried Kellers »Kleider machen Leute« (1921, Hans Steinhoff; 1941, Helmut Käutner; 1963, Paul Verhoeven) oder »Romeo und Julia auf dem Dorfe« (1941, Hans Trommer; 1967, Willi Schmidt; 1983, Siegfried Kühn). Bereits früh gab es im Stummfilm Co-Produktionen über die Grenzen hinweg, so DCERY EVINY / EVAS TÖCHTER / ANNY ... FILLE D'ÈVE (1927/28, CS/DE/CH) mit dem europaweit populären tschechischen Duo Karel Lamač und Anny Ondra.
Die Einführung des Tonfilms zwang in den frühen 1930er Jahren die Produzenten wegen der erhöhten Kosten verstärkt zu internationalen Co-Produktionen, um sich so durch Zusammenfassung der verschiedenen deutschsprachigen Märkte ein größeres Absatzgebiet zu erschließen.
Als die Produktion des Brecht-Films KUHLE WAMPE 1931/32 in Deutschland in finanzielle Probleme geriet, stellte der aus Polen stammende Lazar Wechsler, der in Zürich die Praesens-Film gegründet hatte, finanziell die Fertigstellung sicher. Gleichzeitig – und am anderen Ende des politischen Spektrums – produzierte er TANNENBERG. EIN DOKUMENTARISCHER FILM ÜBER DIE SCHLACHT VON TANNENBERG, der in der Schweiz jedoch nicht verliehen wurde. Wechslers Firma Praesens-Film feiert 2024 ihr 100-jähriges Jubiläum und wird mit zahlreichen ihrer für die eidgenössische Filmgeschichte bedeutenden Filme im Programm vertreten sein.
Eine direkte Aktivität von (jüdischen) Emigranten gab es nicht, da ihnen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit untersagt war. Allerdings kamen zahlreiche Filmschaffende aus Deutschland und setzten hier ihre Karriere am Theater (Schauspielhaus Zürich) fort und konnten dadurch auch im Film erfolgreich sein. Die gleichzeitig realen Abgrenzungen gegenüber Geflüchteten, antisemitische und rechtsradikale Tendenzen in politischen Kreisen der Schweiz wie auch die Versuche, sich diesen entgegenzustellen, wurden im Film erst in den Jahren nach dem Krieg durch eine jüngere Generation der Filmmacher behandelt.
Nach dem Krieg sind – oft in deutsch-schweizerischen Co-Produktionen namhafte Schweizer wie Bernhard Wicki, Maximilian Schell, Paul Hubschmid und Liselotte Pulver vorwiegend in Deutschland tätig, so in der Hamburger Produktion DIE ZÜRCHER VERLOBUNG (1956/57, Helmut Käutner). Schriftsteller wie Friedrich Dürrenmatt, Lukas Hartmann und Max Frisch liefern Vorlagen für oft internationale Verfilmungen.
Parallel zum Jungen deutschen Film und oft auch mit personeller Vermischung und – durch die Beteiligung deutscher und schweizerischer TV-Anstalten – entwickelt sich in den 1960/70er Jahren auch in der West-Schweiz eine »Neue Welle«.
Alle diese Entwicklungen und die vielfältigen bi- und internationalen Verflechtungen sind Thema beim XXI. cinefest und dem 37. Internationalen Filmhistorischen Kongress.

Mögliche Themenkomplexe beim Kongress:
- Co-Produktionen der 1930er Jahre
- Produktionsfirmen (Terra-Film, Praesens-Film, Gloriafilm, …)
- GLV – Geistige Landesverteidigung und der Film
- Präsenz deutscher Filme in der Schweiz 1933-1945
- Rolle der Exilierten im Schweizer Film
- Aufarbeitung der Rolle der Schweiz gegenüber Nazi-Deutschland
- Schweizer Co-Produktion mit der DDR
- Location Schweiz
- Klassikerverfilmungen (Gottfried Keller, Robert Walser, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Martin Suter,…)
- Blick auf das jeweils andere Land im Film
- Personalaustausch zwischen den Ländern
- Co-Produktionen und Austausch mit Drittländern (u.a. Mitteleuropa)

Weitere Themenvorschläge sind willkommen.

Die Vorträge sind auf ca. 20 Minuten angesetzt und werden anschließend im Plenum diskutiert. Die Konferenzsprachen sind Deutsch oder Englisch (es gibt keine Live-Übersetzung). Der Kongress findet voraussichtlich in hybrider Form statt (Präsenz und Videostream). Vortragende erhalten den Festival-Katalog sowie eine Kongress-Akkreditierung, die auch zum Besuch der Kinoveranstaltungen vom 20.-24.11.2024 berechtigt.
Auswärtige Vortragende können in der Regel mit einem Reisekostenzuschuss unterstützt werden.
Im Anschluss an den Kongress werden die überarbeiteten Vorträge in einem Buch veröffentlicht, das im Herbst 2025 bei edition text+kritk erscheint. Die Vortragenden stimmen mit der Teilnahme am Kongress einer Veröffentlichung zu. (Abgabetermin der Texte 15.01.2025).
Gerne können Vorschläge für Vorträge in Form eines Abstracts (ca. 1500 Zeichen) inkl. einer Kurzbiografie bis zum 1. Juni 2024 an kongress@cinegraph.de geschickt werden.

In Vorbereitung auf Kongress und Festival findet vom 24. – 26. April 2024 ein internes Sichtungskolloquium im Bundesarchiv, Standort Lichterfelde (Finckensteinallee 63) statt. Bei Interesse an einer Teilnahme schreiben Sie bitte an kongress@cinegraph.de.
Für die Teilnahme an der Sichtung wird ein Unkostenbeitrag in Höhe von 20 Euro erhoben.

XXI. cinefest – Internationales Festival des deutschen Film-Erbes und der 37. Internationale Filmhistorische Kongress werden veranstaltet von CineGraph Hamburg und Bundesarchiv in Kooperation mit zahlreichen nationalen und internationalen Institutionen.

More than Tell and Heidi. German-Swiss Film Relations

Over the decades, numerous literary classics have repeatedly provided templates for adaptations in various countries, e.g. Gottfried Keller's »Kleider machen Leute« (1921, Hans Steinhoff; 1941, Helmut Käutner; 1963, Paul Verhoeven) or »Romeo und Julia auf dem Dorfe« (1941, Hans Trommer; 1967, Willi Schmidt; 1983, Siegfried Kühn). Early on, there were co-productions across borders in silent films, such as DCERY EVINY / EVAS TÖCHTER / ANNY ... FILLE D'ÈVE (1927/28, CS/GER/CH) with the popular Czech duo Karel Lamač and Anny Ondra.
In the early 1930s, the introduction of the sound film and the associated increased cost of filmmaking forced producers to initiate international co-productions, opening up a larger sales area by combining various German-speaking markets. When the production of the Brecht film KUHLE WAMPE ran into financial problems in Germany in 1931/32, Polish-born Lazar Wechsler, who had founded the Praesens-Film in Zurich, financially ensured its completion. At the same time – and at the other end of the political spectrum – he produced TANNENBERG. EIN DOKUMENTARISCHER FILM ÜBER DIE SCHLACHT VON TANNENBERG, which, however, was not distributed in Switzerland. Wechsler's company Praesens-Film celebrates its 100th anniversary in 2024 and will be represented in the programme with many of its films that are important for Swiss film history.
During the production of these films, (Jewish) emigrants were prohibited from taking up gainful employment. However, numerous filmmakers came from Germany and continued their careers in Switzerland at the theater (Schauspielhaus Zürich) and thereby were thus also able to be successful in film. The simultaneous real demarcations against refugees, anti-Semitic and right-wing extremist tendencies in Swiss political circles, as well as the attempts to oppose them, were only dealt with in films by a younger generation of filmmakers in the years after the war.
After the war, well-known Swiss artists such as Bernhard Wicki, Maximilian Schell, Paul Hubschmid and Liselotte Pulver – often in German-Swiss co-productions – were mainly active in Germany, for example in the Hamburg production DIE ZÜRCHER VERLOBUNG (1956/57, Helmut Käutner). Writers such as Friedrich Dürrenmatt, Lukas Hartmann and Max Frisch provided templates for film adaptations, many of which are international.
Parallel to the Young German Cinema and often with a mix of personnel and – through the involvement of German and Swiss TV stations – a »new wave« also developed in Western Switzerland
All these developments and the diverse bilateral and international interdependencies are the subject of the XXI. cinefest and the 37th International Film History Conference.

Possible topics at the conference:

- Co-productions of the 1930s
- Production companies (Terra-Film, Praesens-Film, Gloriafilm, ...)
- GLV – Geistige Landesverteidigung (spiritual national defense) and the Film
- Presence of German films in Switzerland 1933-1945
- Role of Exiles in Swiss Film
- Reappraisal of Switzerland's role vis-à-vis Nazi Germany
- Swiss co-production with the GDR
- Location Switzerland
- Film adaptations of classics (Gottfried Keller, Robert Walser, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Martin Suter,…)
- View of the other country in the film
- Personnel exchange between countries
- Co-productions and exchanges with third countries (a.o. Central Europe)

Further suggestions are welcome.

Presentations are limited to ca. 20 minutes, followed by a discussion. Conference languages are German or English. (No live translation available). The conference is expected to take place in hybrid form (face-to-face and video stream). Speakers will receive the festival catalog as well as a conference accreditation, which also entitles them to attend the cinema events from 20 – 24 November 2024.
As always, we will do our best to support presenters from out of town with a travel fund.
Following the conference, revised presentations will be published in a book, which will be published by edition text+kritk in fall 2025. By attending the conference, presenters agree to publication. (Deadline for submission of texts 15 Januray 2025).
You are welcome to send suggestions for presentations in the form of an abstract (about 1500 characters) and a short biography which must be sent to kongress@cinegraph.de by June 1st 2024.

In preparation for the congress and festival, an internal screening colloquium will take place from 24 – 26 April 2024 at Bundesarchiv, Lichterfelde site (Finckensteinallee 63). If you are interested in participating, please write to kongress@cinegraph.de.
A participation fee of 20 Euros will be charged to help cover associated expenses.

XXI. cinefest – International Festival of German Film Heritage and the 37th Film History Conference are organized by CineGraph Hamburg and Bundesarchiv in cooperation with numerous national and international institutions.

Kontakt

Erika Wottrich
CineGraph - Hamburgisches Centrum für Filmforschung e. V.
Schillerstr. 43
22767 Hamburg

Tel.: +49-(0)40-352194
Fax: +49-(0)40-345864
E-Mail: kongress@cinegraph.de

https://cinefest.de